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Neues aus den Museen


Eröffnung der Neske-Bibliothek in Pfullingen

Ehepaar Neske Die "Neske-Bibliothek", eine literarische Ausstellung im ehemaligen Wohn- und Verlagshaus der Familie Neske, wird am 19. Juni 2010 mit einem Kulturfest im Pfullinger Klostergarten eingeweiht.
Zu sehen sind in der ehemaligen Privatbibliothek der Verlegerfamilie die Bücher und Schallplatten, die im Neske-Verlag von 1951 bis 1994 erschienen sind, eine Ausstellung präsentiert die Geschichte des Verlags und die Arbeit des Verlegens.
Viele der großen Literaten und Philosophen dieser Zeit gingen bei Brigitte und Günther Neske ein und aus, die Klause unter dem Dach des Hauses wurde für sie zum Arbeitszimmer, der Klostergarten zur literarischen Inspiration, die Bibliothek ein beliebter Ort von Diskussionen und Begegnungen der mit dem Verlegerpaar befreundeten Autoren - darunter Ernst Bloch, Hans Mayer, Martin Heidegger, Ernst Jünger - und Politiker.



Wiedereröffnung des Hagnauer Museums

Wiedereröffnung des Hagnauer Museums Nach einer über zweijährigen Restaurierung wurde das Hagnauer Museum am 11. Juni 2010 wieder eröffnet. Fast die Hälfte der Dauerausstellungsfläche ist nun dem Erzähler, Pfarrer und Politiker Heinrich Hansjakob gewidmet, der in Hagnau, wo er von 1869 bis 1884 lebte, die erste badische Winzergenossenschaft gegründet hat. Der Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf Hansjakobs Erzähltext ›Schneeballen vom Bodensee‹, aus dem heraus sich die Fäden zu den verschiedenen Aspekten seines Hagnauer Wirkens entspinnen. Damit hat der einstige Bestsellerautor nun neben den Museen in Haslach im Kinzigtal und in Freiburg einen dritten Ort im Literaturland Baden-Württemberg.



Wiedereröffnung des Schiller-Nationalmuseums in Marbach am Neckar

Am 10. November 2009, an Friedrich Schillers 250. Geburtstag, wurde das Schiller-Nationalmuseum in Marbach am Neckar als Höhepunkt des Schillerjahres feierlich wiedereröffnet. In einem Festakt in der Stadthalle Marbach sprachen Bundespräsident Horst Köhler, der Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg, Günther Oettinger, der Präsident der Deutschen Schillergesellschaft, Manfred Erhardt, und der Autor und Publizist Rüdiger Safranski.
Die Eröffnung bildet den Auftakt für eine neue Zeit im Schiller-Nationalmuseum. Die Exponate des 18. und 19. Jahrhunderts, der Urgrund der Marbacher Sammlungen, werden in zwei Abteilungen (der eine Seitenflügel des Museums ist Friedrich Schiller gewidmet, der andere Seitenflügel der schwäbischen Dichterschule) in den restaurierten und klimatisierten Räumen präsentiert, die von David Chipperfield Architects nach dem historischen Bestand von 1903 neu interpretiert wurden. Die neue Dauerausstellung zeigt in neun Räumen auf 450 Quadratmetern mit über 700 Exponaten und einem Schwerpunkt auf Friedrich Schiller die materialreichen Auswirkungen einer deutschen, vielfach auch spezifisch schwäbischen Literaturgeschichte.
Die Architektur des 1934 umgebauten und erweiterten pantheonartigen Baus, der an ein Lust- und Jagdschlösschen der Schiller-Zeit erinnert, lässt die wechselvolle Geschichte der Dichterverehrung ebenso anschaulich werden wie die Dauerausstellung, die mit ihren Raumbildern Einblick in die verschiedenen Möglichkeiten gibt, die Spuren eines Literaturarchivs zu lesen und die Dokumente mit ihrer Deutung in ein Verhältnis zu setzen: figürlich, als Abdruck eines Körpers, chronologisch, als Überbleibsel eines Lebenslaufs, situativ, als Teil der Dichterwerkstatt, poetisch, als unmittelbare Türen zu einer nur imaginär vorhanden Welt, historisch, als Quellen, die auch das, was uns bekannt und nah erscheint, im Horizont einer fremden Zeit verankern. Der im neuen Glanz erstrahlende Schillersaal mit geöffneter Terrasse wird Ort sein für vielfältige literarische Veranstaltungen. Außerdem lädt ein neues Museumscafé zum Verweilen, Nachsinnen und zum Gespräch ein.



Neue Wieland-Ausstellung am 12. September in Biberach eröffnet

Am Samstag, den 12. September 2009 wurde um 18 Uhr im Biberacher Wieland-Park die neue Dauerausstellung ›Christoph Martin Wieland – Dichter und Kanzleiverwalter in Biberach (1760-1769)‹ eröffnet. Die nach neusten museumspädagogischen Erkenntnissen gestaltete Präsentation in dem von Wieland einst bewohnten Gartenhaus zeigt, wie der große Aufklärer in seinen insgesamt neun Jahren in der Stadt an der Riss als Senator und Kanzleiverwalter ungeachtet seiner vielfältigen beruflichen Verpflichtungen sowie als Direktor der evangelischen Komödiantengesellschaft eine ungeheure dichterische Produktivität entfaltet. Wieland übertrug hier 22 Shakespeare-Stücke ins Deutsche und verfasste einige seiner wichtigsten Werke, darunter die ›Geschichte des Agathon‹ und ›Die Abentheuer des Don Silvio von Rosalva‹. In Biberach wandelte sich Wieland von einem religiösen Schwärmer zu einem Autor, der in seinen Texten unverhohlen einer sinnlich-frivolen Lebensfreude huldigte. Neben der zeitgenössischen deutschen Literatur (Anakreontik) bildete er seinen Geschmack an der Literatur der griechischen und römischen Antike sowie an den Werken der führenden Autoren Frankreichs, Spaniens, Italiens und Englands.
Anlässlich der Feierlichkeiten zur Ausstellungseröffnung wurde an Oberbürgermeister Thomas Fettback zudem die Stiftungsurkunde der neu gegründeten ›Christoph Martin Wieland-Stiftung Biberach‹ überreicht. Damit kommt ein mehrere Jahre dauernder Selbstverständigungsprozess über den Umgang mit Wielands Erbe zu einem glücklichen Ende. Gegründet im Jahr 1905 durch den Biberacher Kunst- und Altertumsverein wurde das ›Wieland-Museum‹ 1907 als Gedenkstätte für den Dichter im Gartenhaus eröffnet. 1972 ging das ›Wieland-Museum‹ in das Eigentum der Stadt über. Im Jahre 2009 hat der Biberacher Gemeinderat einstimmig beschlossen, das ›Wieland-Museum‹ in eine Stiftung zu überführen.
Die neue Stiftung soll Maßnahmen fördern, die das Andenken an Leben und Werk Christoph Martin Wielands und Sophie La Roches aufrechterhalten. Zum anderen setzt sie sich zum Ziel, bestmögliche Voraussetzungen für die Aufbewahrung derjenigen Museums- und Archivbestände zu ermöglichen, die im Zusammenhang mit der Biberacher Theatergeschichte, insbesondere der bürgerlichen Komödiantengesellschaften und mit der Person des Komponisten Justin Heinrich Knecht stehen. Zum Arbeitsfeld der Stiftung zählen neben einer professionellen Ausrichtung von Museum und Archiv als Wieland-Kompetenz- und Servicezentrum zwischen Biberach, Weimar, Oßmannstedt und Bern die Fortsetzung der Rekonstruktion von Wielands Bibliothek, die Fortführung der ›Wieland-Studien‹, die öffentliche Aus- und Darstellung von Leben und Werk Wielands, die Initiierung, Unterstützung und Durchführung von wissenschaftlichen und kulturellen Veranstaltungen, die Unterstützung von Forschungsvorhaben, die Förderung von Maßnahmen zum Erwerb von Beständen für das Wieland-Archiv sowie die Kooperation mit Einrichtungen und Institutionen, die ähnliche Ziele verfolgen. Das Wieland-Archiv in seiner heutigen Gestalt beherbergt eine Bibliothek von über 15.000 Büchern, Zeitschriften und Sonderdrucken sowie über 1000 Handschriften, davon mehr als 350 eigenhändige Briefe des Dichters.



Neue literarische Dauerausstellung am Bodensee

Fritz MühlenwegIn Allensbach werden derzeit die Räume für eine literarische Ausstellung vorbereitet, die ab dem Frühjahr 2010 das Leben und Werk des Erzählers, Malers und Asienreisenden Fritz Mühlenweg (1898–1961) präsentieren soll. Hier am westlichen Teil des Bodensees hat Mühlenweg von 1935 bis zu seinem Tod die ‚ruhigeren’ Jahren seines Lebens verbracht.
Geboren in Konstanz als Sohn einer aufstrebenden Kaufmannsfamilie, war ihm ein Leben im florierenden Drogeriehandel der Eltern vorgezeichnet. Bis zu seinem 28. Lebensjahr blieb er auf diesem Weg, kehrte Konstanz und dem Händlerleben aber nach dem Tod seines Vater den Rücken. Er nahm eine Stelle bei der Lufthansa an, die eine Fluglinie Berlin-Peking plante und ab 1927 die letzte große Ostasien-Expedition Sven Hedins mitfinanzierte. Bis 1932 war Mühlenweg auf drei Reisen und Expeditionen als Buchhalter, Karawanenführer und Gehilfe des Wetterforschers in der Mongolei und begann dort zu malen. Zurückgekehrt lernte er während eines kurzen Kunst-Studium an der Wiener Akademie die Malerin Elisabeth Kopriwa kennen, heiratete sie und zog mit ihr 1935 an den Untersee nach Allensbach.
Im Mittelpunkt der Ausstellung wird jedoch das erzählerische Werk Mühlenwegs stehen, das weit mehr als nur Literaturgeschichte ist. Schon in seinen Briefen aus der Mongolei zeigt sich Mühlenwegs genauer Blick auf das Fremde. Von 1948 an schrieb er dann an dem Roman, in dem er die andere Zeitlichkeit und die andere Ethik, die er in Asien kennengelernt hatte, gegen die moderne europäische Zivilisation setzte. Das Buch erschien 1950 unter dem Titel ›In geheimer Mission durch die Wüste Gobi‹ und wurde ein Besteller. Im internationalen Vergleich verdient sein in mehrere Sprachen übersetztes Hauptwerk die Nähe zu All-Age-Büchern von Twain, Tolkien und Saint-Exupéry, von A. A. Milnes ›Winnieh-the-Pooh‹ und Rudyard Kiplings ›Kim‹. Die Ausstellung wird auch zeigen, dass und wie Mühlenwegs Versuche scheiterten, der Festlegung auf den Jugendbuchautor zu entkommen. Seit 1991 werden Mühlenwegs Texte vom Libelle Verlag, dessen Leiter Ekkehard Faude die Ausstellung inhaltlich betreut, neu und erfolgreich herausgegeben. – Das Mühlenweg-Museum wird u.a. über den im Frühjahr 2009 eröffneten Literarischen Radweg 04 ins ›Literaturland Baden-Württemberg‹ eingebunden.

Die literarischen Orte im deutschen Südwesten

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