Literaturland Baden-Württemberg

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Neues aus den Museen

Per Pedal zu Schiller, Mörike und Schubart. Kunststaatssekretär Walter radelt für die Literatur

Seit 2008 gibt es in Baden-Württemberg literarische Radwege – mittlerweile elf in allen Landesteilen. Einer davon verbindet Friedrich Schillers Geburtsstadt Marbach mit der einstigen Residenz Ludwigsburg, wo der Schüler Schiller seine Liebe zum Theater entdeckte und die schwäbischen Romantiker Justinus Kerner und Eduard Mörike geboren wurden. Die Tour führt auch über den Hohenasperg, wo die württembergischen Herrscher Jahrhunderte lang ihre politischen Gegner einsperrten, zu denen auch Schriftsteller wie Schubart oder Auerbach gehörten. Diese literarische Route wird Kunststaatssekretär Jürgen Walter am Sonntag, den 4. Oktober 2015, gemeinsam mit Dr. Thomas Schmidt vom Deutschen Literaturarchiv Marbach, der die Radwege konzipiert, erkunden.

Alle an der Kultur und am Radfahren Interessierten sind dazu herzlich eingeladen. Die Tour startet mit einer kleinen Literaturführung 10.45 Uhr auf dem Ludwigsburger Marktplatz. Gegen 12.00 Uhr werden die Radler Schillers Geburtshaus in Marbach besuchen und danach auf der Schillerhöhe etwas über die großen Marbacher Museen des Deutschen Literaturarchivs erfahren. Gegen 14.30 Uhr treffen die Radler auf dem Hohenasperg ein, wo es ebenfalls eine Führung durch das dortige Museum geben wird. Danach besteht die Möglichkeit in der nahen Schubart Stube Einkehr zu halten.

Die Strecke beträgt ca. 25 km. Die Teilnahme an der Tour ist kostenlos.

Bei Dauerregen findet die Tour nicht statt.

 

10:45 Uhr Ludwigsburg (Markt)
Das literarische Ludwigsburg
Führung: Andrea Hahn (Autorin des Radweges)

11:20 Abfahrt Richtung Marbach

12:00 Schillers Geburtshaus
Führung: Dr. Thomas Schmidt

13:00 Schiller-Nationalmuseum und Literaturmuseum der Moderne
Begrüßung durch den Direktor des DLA, Prof. Dr. Ulrich Raulff
Kurzführung (außen): Dr. Thomas Schmidt

13:25 Abfahrt nach Asperg

14:30 Hohenasperg
Führung durch das Museum: Dr. Thomas Schnabel (Leiter des Hauses der Geschichte Baden-Württemberg)

 

 

›Gaienhofener Umwege. Hermann Hesse und sein 1. Haus‹

In Gaienhofen am Bodensee wurde am Sonntag, dem 14. Juni 2015 die neue Dauerausstellung im Hesse Museum eröffnet. Der spätere Literaturnobelpreisträger Hermann Hesse lebte von 1904 bis 1912 in dem badischen Ort. Zuvor hatte er ein eher unstetes Leben geführt: Mit dem »Gaienhofener Umweg«, wie er seine acht Jahre am See später nannte, war die Hoffnung auf Stabilität und Beheimatung verbunden. Hier begann »die Zeit meines Lebens, in der ich nicht mehr zufällige und oft gewechselte Zimmer, sondern Häuser bewohnte«. Kuratiert wurde die Ausstellung von Ute Hübner (Hesse Museum Gaienhofen) und von Thomas Schmidt, dem Leiter der im Deutschen Literaturarchiv angesiedelten Arbeitsstelle für literarische Museen in Baden-Württemberg.

Die Gestaltung übernahmen im Rahmen einer Kooperation mit der Konstanzer Hochschule für Technik, Wirtschaft und Gestaltung Studierende der Studiengänge Kommunikationsdesign und Architektur unter Federführung der Professoren Eberhard Schlag und Brian Switzer.

Unter all diesen Häusern war das schlichte Bauernhaus am Gaienhofener Dorfplatz, das Hesse im Jahr 1904 aus den Tantiemen seines Erfolgsromans Peter Camenzind mietete und das er unmittelbar nach seiner Hochzeit bezog, gewiss das wichtigste. Er nannte es später die »erste Zuflucht meiner jungen Ehe« und die »erste legitime Werkstatt meines Berufes«. Für sein erstes Wohnhaus ließ er jenen beeindruckenden Schreibtisch bauen, der ihm sein Leben lang als Arbeitsplatz diente. Dieser Schreibtisch steht im Zentrum der neuen Ausstellung, die in neun Räumen neben Hesses Arbeit als Schriftsteller den schon bald auftretenden Konflikt des Autors zwischen bürgerlichem Leben und künstlerischer Kreativität inszeniert.

 

Eine »Herzkammer« für Marie Luise Kaschnitz

Am 40. Todestag von Marie Luise Kaschnitz (1901–1974), am 10. Oktober 2014, wird im südbadischen Bollschweil eine literarische Dauerausstellung zu Ehren der Büchnerpreisträgerin eröffnet. Damit wird nicht nur das ›Literaturland Baden-Württemberg‹ ¬um eine außergewöhnliche Ausstellung reicher; damit erhält auch eine der bedeutendsten deutschen Dichterinnen in eben jenem Dorf einen Erinnerungsort, das für die Vielgereiste eine »Herzkammer der Heimat« war und dem sie in ›Beschreibung eines Dorfes‹ auch ein literarisches Denkmal gesetzt hat. Von 1917 bis 1922 verbrachte die Autorin im Bollschweiler Familiengut ihre Jugendjahre. Ihr Leben lang kehrte sie immer wieder, manchmal monatelang, dorthin zurück. Sie heiratete in Bollschweil, erwartete hier die Geburt ihrer Tochter und wurde an der Seite ihres Mannes auf dem Dorffriedhof begraben. Im Jahr 1967 erhielt sie von der Gemeinde die Ehrenbürgerschaft – eine Auszeichnung, über die sich Kaschnitz ganz besonders freute. Die Rolle des Ortes in ihrem Werk und in ihrem Leben wird in der Ausstellung anhand von les- und hörbaren Dokumenten kenntlich, aber auch durch eine Verfilmung der ›Beschreibung eines Dorfes‹, in der die Dichterin ihren Text an Originalschauplätzen liest.

Unter dem Titel »›Herzkammer der Heimat‹. Marie Luise Kaschnitz in Bollschweil und andernorts« widmet sich die Ausstellung aber auch den anderen Orten, die Kaschnitz besucht oder in denen sie gewohnt hat, darunter Rom, Königsberg, Frankfurt, Potsdam, Berlin und Karlsruhe. Ihr gesamtes literarisches Werk zeugt davon, wie unmittelbar und gleichsam körperlich sich die Dichterin auf die zahlreichen Orte ihres Lebens einlassen konnte. Mit ihrer großen Offenheit, ihrer Neugier und Wachheit war sie, die mitunter Spröde und scheinbar Unnahbare, auch am fremden Ort nie unbehaust.

Eingerichtet im Bollschweiler Rathaus, wurde die Ausstellung kuratiert von der Kaschnitz-Expertin Brigitte Raitz und von Thomas Schmidt, dem Leiter der Arbeitsstelle für literarische Museen, Archive und Gedenkstätten in Baden-Württemberg (Deutsches Literaturarchiv Marbach). Die Gestaltung oblag dem Karlsruher Büro zwo/elf. Die Ausstellung ist am Sonntag, dem 12. Oktober 2014, ganztags geöffnet, danach zu den regulären Öffnungszeiten des Rathauses.

www.bollschweil.de

 

Leiter der Arbeitsstelle für literarische Museen Thomas Schmidt radelt mit Kunststaatssekretär Jürgen Walter zur Poesie

Die dreitägige Sommer-Radtour führt die beiden Radfahrer und Literaturliebhaber vom Trompeterschlösschen Bad Säckingen über das Dreiländermuseum Lörrach und die jüngst eröffnete Literaturabteilung im Palais Blankenhorn in Müllheim u.a. zur Ausstellung »Huchel und Kästner in Staufen« im dortigen Stubenhaus. Die Tour endet am Donnerstag, 7. August in Bollschweil, wo Mitte Oktober eine Ausstellung zu Marie Luise Kaschnitz eröffnet wird, und folgt auf ihren etwa 150 km teils bestehenden, teils derzeit geplanten »literarischen Radwegen«.

Täglich aktuelle Bilder der Radtour finden Sie auf der Facebook-Seite des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg.

 

 

›Besuchen. Bilden. Schreiben. Das Kloster Maulbronn und die Literatur‹. Eröffnung der neuen Dauerausstellung im Kloster Maulbronn am 7. Februar 2014

Im UNESCO-Weltkulturerbe Kloster Maulbronn wird am Freitag, dem 7. Februar 2014 die neue Dauerausstellung ›Besuchen. Bilden. Schreiben. Das Kloster Maulbronn und die Literatur‹ durch Kunststaatssekretär Jürgen Walter feierlich eröffnet. Das ›Literaturland Baden-Württemberg‹, Europas reichste literarische Landschaft, erhält damit ein weiteres Kleinod. Die Ausstellung überblickt mehr als acht Jahrhunderte und gibt fast 50 Schriftstellerinnen und Schriftstellern eine Stimme, die in den Mauern des Klosters gelebt und gelernt oder die es besucht haben: Eduard Mörike wie Ernst Jünger, Caroline Schelling wie Ricarda Huch, Georg Herwegh wie Johannes R. Becher. Filmisch werden in der Ausstellung zwei große Maulbronner Autoren vorgestellt: Peter Härtling spricht über Friedrich Hölderlin, Udo Lindenberg über Hermann Hesse. Die Ausstellung wurde vom Leiter der Marbacher Arbeitsstelle für literarische Museen Thomas Schmidt, gemeinsam mit dem Maulbronner Stadtarchivar Martin Ehlers und dem Kunsthistoriker und Kloster- Buchhändler Reto Krüger kuratiert. Gestalterisch umgesetzt wurde das Konzept durch die Stuttgarter Büros ›Coast‹ und ›Stefan Schmid Design‹. Neben dem Land Baden-Württemberg hat auch die Wüstenrot-Stiftung die Ausstellung großzügig gefördert.

Die Ausstellung zeigt in drei Abteilungen, dass Maulbronn mehr als andere deutsche Klöster auch ein Ort der Literatur war. Dazu wird bis ins Skriptorium der 1147 gegründeten Zisterzienser-Abtei zurückgegriffen, in der nach der Reformation eine bis heute bestehende evangelische Schule gegründet wurde. Dass diese Schule für die geistige Elite Württembergs lange eine maßgebliche Rolle gespielt hat, veranschaulicht die Abteilung ›Bilden‹ u.a. mit einem Vergleich der Stundenpläne von Johannes Kepler, Hölderlin und Hesse. Der hohe Anspruch der Klosterschule ging einher mit strengen, fast klösterlichen Verhaltensregeln, unter deren Druck etliche literarische Zeugnisse entstanden; Hesses ›Unterm Rad‹ ist das bekannteste. Kloster und Klosterschule als Orte des Schreibens sind Thema einer weiteren Abteilung, in der neben der mittelalterlichen Kopierpraxis, Hölderlins frühen Versexperimenten und Hesses noch in seinem späten Roman ›Das Glasperlenspiel‹ spürbarer Klosterprägung auch die reiche Maulbronner Übersetzungstradition eine Rolle spielt – vom Alten Testament bis zu Byron, Lamartine und Lenin. In der Abteilung ›Besuchen‹ wird deutlich, wie das Bild Maulbronns durch literarische Texte konstruiert und verbreitet wurde. Mit ihren Gedichten, Erzählungen und Berichten machten Schüler wie Besucher Maulbronn zu einem Erinnerungsort, der das Mittelalter beispielhaft zu repräsentieren hatte – als Stätte der Spiritualität, der Einkehr und der romantischen Phantasie. Dem literarischen Reiz des Klosters kam dabei zugute, dass hier der legendäre Doktor Faust zu Tode gekommen sein soll.

 

Eine Presseführung findet am 7.2.2014 um 11 Uhr statt. Um Anmeldung wird gebeten:

Sonja Kientsch (Stadt Maulbronn); Tel: 07043 103 41; E-Mail: kientsch@maulbronn.de

Ansprechpartner für die Ausstellung:

Dr. Thomas Schmidt (DLA Marbach); Tel: 07144 848603; Email: schmidt@dlamarbach.de

Öffnungszeiten: 8. bis 28. Februar Di – So, 9:30 – 17 Uhr; 1. März bis 31. Oktober täglich 9 – 17:30 Uhr

Bei der Ausstellungseröffnung handelt es sich eine geschlossene Veranstaltung

 

Wiedereröffnung des Wilhelm-Hauff-Museums in Lichtenstein-Honau

Am 29. November 2013, um 18 Uhr, wird in Lichtenstein-Honau das neugestaltete Wilhelm-Hauff-Museum pünktlich zum 211. Geburtstages des Dichters wiedereröffnet. Die Veranstaltung findet im Gemeindehaus Lichtenstein-Honau, Olgastraße 11, statt.

Hauff wurde weder in Lichtenstein geboren noch wohnte er jemals dort, und ein Zeugnis davon, dass er den Ort besucht hätte, gibt es auch nicht. Man kann jedoch als sicher annehmen, dass er vom nahen Tübingen aus dorthin gewandert ist. Das Schloss hat er dabei allerdings noch nicht sehen können. Es existierte jedoch bereits in seinem Kopf und nahm dann mit dem Roman ›Lichtenstein‹ Gestalt an: Dieses berühmte Buch lieferte die Vorlage für die spätere romantische Burganlage. Somit hat Wilhelm Hauff als geistiger Erbauer des Schlosses in Lichtenstein ewiges Wohnrecht. Band sich Hauffs Phantasie im Roman an einen konkreten Ort, so ist der Vorstellungsraum seiner Märchen grenzenlos. Ob Schwarzwald, ob Spessart, ob Orient – über die wechselnden Schauplätze seiner literarischen Einbildungskraft hinaus haben ihm die Märchen ein universales Heimatrecht verschafft – in der Welt und in der Weltliteratur.

Am Rande der Schwäbischen Alb gelegen nutzt die Ausstellung die Blickverbindung mit dem Schloss sowie die Lebenskraft von Hauffs Märchen und präsentiert den Schriftsteller und sein Werk in vier Abteilungen: ›Phantastischer Erfolg: Kurz gelebt und viel geschrieben‹, ›Historische Phantasie: Ein Buch, Ein Land, ein Fürst‹, ›Versteinerte Phantasie: Ein Schloss, wie es im Buche steht‹ und ›Phantastische Kulissen: Morgenland und dunkle Wälder‹. Eingerichtet wurde die Ausstellung von Thomas Schmidt, der im Deutschen Literaturarchiv die Arbeitsstelle für literarische Museen in Baden-Württemberg leitet, und von Helmuth Mojem, dem als Leiter des Marbacher Cotta-Archivs die Verantwortung für Hauffs Nachlass obliegt.

Die Ausstellung ist am Wochenende nach der Eröffnung (30.11., 1.12.2013) jeweils von 14-17 Uhr geöffnet.

 

 

Ausstellungseröffnung: »Peter Huchel und Erhart Kästner in Staufen«. Literarische Dauerausstellung in Staufen

Nachdem Peter Huchel die DDR am 27. April 1971 nach acht Jahren Isolation endlich verlassen durfte, fand er in Staufen im Breisgau die »Notherberge« seines Alters. Auf den Tag 42 Jahre nach Huchels Ausreise wird in Staufen eine literarische Dauerausstellung eröffnet, die diesem bedeutenden Lyriker und Literaturredakteur ebenso gewidmet ist wie seinem späten Freund Erhart Kästner. Kästner, der in den 50er Jahren durch seine Griechenland-Bücher bekannt geworden ist und der Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel, der Bibliothek von Leibniz und Lessing, nach 1945 wieder Weltgeltung verschafft hat, hatte einige Jahre vor Huchel seinen Alterssitz im künstlerfreundlichen Staufen genommen und Huchels Ansiedlung dort ermöglicht.

Die Ausstellung zeigt zahlreiche Originale aus den in Marbach und Wolfenbüttel aufbewahrten Nachlässen der Autoren. Eingerichtet wurde sie in jenem Haus, in dem der SWR und das Land Baden-Württemberg jährlich den wichtigsten deutschen Lyrikpreis vergeben, der Peter Huchels Namen trägt. Kuratiert wurde die Ausstellung von der im Deutschen Literaturarchiv Marbach beheimateten ›Arbeitsstelle für literarische Museen in Baden-Württemberg‹ in Zusammenarbeit mit Studierenden des Deutschen Seminars der Universität Freiburg. Die Gestaltung oblag dem Stuttgarter Architekturbüro Coast.

Von ihren wenigen Staufener Jahren, in denen sie ihre Freundschaft auf täglichen Spaziergängen und in oftmals wortlosem Einverständnis pflegten, blendet die Ausstellung in vier Abteilungen zurück auf die Lebenswerke der 1903 und 1904 Geborenen, in denen sich die deutsche Literatur- und Gesellschaftsgeschichte des 20. Jahrhunderts exemplarisch spiegelt. Schlaglichter fallen auf beider literarische Hauptthemen: Heimat und Exil bei Huchel, Griechenland bei Kästner; auf beider Schlüsselposition im Literaturbetrieb des geteilten Deutschland: Huchel im Osten als Herausgeber von ›Sinn und Form‹, des »geheimen Journals der Nation«, Kästner im Westen als Literaturjournalist und Juror, der jungen und modernen Autoren erste große Auszeichnungen verschaffte; sowie auf jene Orte, die Huchel und Kästner geprägt haben und die heute noch lebendige Orte der literarischen Kultur sind: die Wolfenbütteler Bibliothek und das Huchel-Haus in Wilhelmshorst. Zudem spielt in Staufen, wo Faust vom Teufel geholt worden sein soll, auch beider Beschäftigung mit diesem Stoff eine Rolle.

Die Eröffnungsveranstaltung beginnt um 15 Uhr im ›Peter Huchel Saal‹ des Staufener Stubenhauses (Hauptstr. 56 C).

Informationen:

Dr. Thomas Schmidt, E-Mail: schmidt(at)dla-marbach.de / Tel. 07144 848-603

 

Ausstellungseröffnung im Theodor Heuss Museum in Brackenheim

Am 31. Januar 2013 wird im württembergischen Brackenheim, dem Geburtsort des ersten Staatsoberhauptes der Bundesrepublik, die Wanderausstellung ›Der schreibende Präsident – Theodor Heuss und die Literatur‹ eröffnet. Die Ausstellung, eine Gemeinschaftsproduktion der im Deutschen Literaturarchiv Marbach beheimateten ›Arbeitsstelle für literarische Museen in Baden-Württemberg‹ und des Brackenheimer ›Theodor Heuss Museums‹, würdigt Heuss als Homme de Lettres. Wie kein anderer deutscher Politiker war er auch ein Mann der Literatur: als Redakteur, Biograf, Lektor, Herausgeber, Essayist, Kritiker und Funktionär. Die in der Ausstellung gezeigten Dokumente und Exponate stammen zu großen Teilen aus den Beständen des Deutschen Literaturarchivs, das Heuss’ literarischen Nachlass beherbergt. Die Ausstellung wird bis Ende Juni 2013 in Brackenheim zu sehen sein und danach auf Wanderschaft gehen. Geplant sind Stationen u. a. in Lörrach, Bad Urach, Bad Mergentheim und Stuttgart.

 

In fünf Abteilungen werden Schlaglichter auf die lebenslangen literarischen Aktivitäten von Theodor Heuss geworfen. Die erste Abteilung gilt seiner Arbeit als verantwortlicher Redakteur der literarisch-politischen Zeitschrift ›März‹, bei der sich seine Bekanntschaft mit Hermann Hesse vertiefte; die zweite beleuchtet Heuss’ Literaturpolitik im Schillerjahr 1955, als er trotz öffentlichem Gegenwind Thomas Manns wortgleiche Reden in Stuttgart und Weimar beförderte; die dritte zeigt Heuss’ Verehrung für Johann Peter Hebel, die sich über den sprachlichen Stil hinaus auch auf seinen politisch-ethischen auswirkte. Schließlich werden Heuss’ Bemühungen um eine neue, dem ›Deutschlandlied‹ entgegengesetzte deutsche Nationalhymne illustriert, für deren Text er Rudolf Alexander Schröder gewinnen konnte. Zudem präsentiert eine Medienstation zahlreiche Beispiele, in denen Heuss als »schwäbischer Landsmann« an der Profilierung des deutschen Südwestens als außergewöhnlicher Literaturlandschaft mitgewirkt hat.

 

Eine Presseführung findet am 30. Januar 2013, um 10.30 Uhr statt.

 

Kontakt:

Dr. Thomas Schmidt, Leiter der ›Arbeitsstelle für literarische Museen in Baden-Württemberg‹, Tel. 07144-848-602, E-Mail: thomas.schmidt@dla-marbach.de

 

Weitere Informationen unter www.theodor-heuss-museum.de

Flyer zur Ausstellung (PDF)

Neue Literarische Ausstellung im Zeller-Mörike-Garten in Nagold

Gartenhaus im Zeller-Mörike-GartenAm 27. Juli 2012 wurde im Gartenhaus des wunderschönen Zeller-Mörike-Gartens in Nagold eine literarische Dauerausstellung eröffnet, in deren Zentrum die Begegnung Eduard Mörikes und Heinrich Zellers in Nagold steht. Mörike verbrachte im Juli 1862 einen 14-tägigen Kuraufenthalt im Heilbad Röthenbach bei Nagold, und der ortsansässige Apotheker und Privatgelehrte Zeller lud den Dichter öfters in seinen schönen Biedermeiergarten ein, wo Mörike auf illustre Persönlichkeiten traf und unter anderem zu seinem bekannten Gedicht ›Lang, lang ist’s her‹ inspiriert wurde. Dank der Initiative des Fördervereins und der Stadt Nagold konnte der Garten samt Gartenhaus und Gartenlaube saniert bzw. rekonstruiert werden. Herzstück der neuen Ausstellung ist ein Film der Ludwigsburger Filmakademie über Mörikes Kuraufenthalt in Röthenbach, daneben wird das Wirken des pietistischen Gelehrten und Apothekers Heinrich Zeller gewürdigt.

Mühlenweg-Museum Allensbach

Mühlenweg-Museum AllensbachDer Mongolei am Bodensee begegnen? Das ist seit dem 22. Juni 2012 im Mühlenweg-Museum Allensbach möglich. Hier widmet sich eine einzigartig gestaltete Ausstellung dem abenteuerlichen Leben des Reisenden, Malers und Schriftstellers Fritz Mühlenweg, der sich mit seiner Frau, der Malerin Elisabeth Kopriva, 1934 in Allensbach niederließ. Nachdem der gelernte Kaufmann die letzte große Ostasien-Expedition Sven Hedins begleitet hatte, unternahm er in den Jahren 1927 bis 1932 selbst drei Reisen in die Mongolei. Die Eindrücke, die er auf diesen Reisen sammelte, verarbeitete Mühlenweg in zwei Romanen, zahlreichen Erzählungen, Gedichten und Gemälden – eine kulturelle Vermittlungsleistung, die der deutschen Mongolistik wichtige Impulse gab. Sein Roman ›In geheimer Mission durch die Wüste Gobi‹ machte ihn als Schriftsteller überaus bekannt. Mühlenwegs zahlreiche Lesereisen durch ganz Deutschland starteten stets vom Allensbacher Bahnhof aus, der heute das Mühlenweg-Museum beherbergt. Die Ausstellung, die vom Verleger und Mühlenweg-Spezialisten Ekkehard Faude konzipiert und von der Graphikerin Claudia Gnädinger gestaltet wurde, zeigt u.a. einen Expeditionsfilm, Fotografien, Reiseutensilien und jene Kladde, in die Mühlenweg nach Gehör über 500 mongolische Vokabeln notierte.

Neue Gustav-Schwab-Ausstellung im Gomaringer Schloss

Gustav-Schwab-Ausstellung im SchlossIn völlig neuem Gewand wurde die Gustav-Schwab-Ausstellung im Gomaringer Schloss am 19. Juni 2012 wiedereröffnet. Drei Semester lang hatten Studentinnen des Ludwig-Uhland-Instituts für empirische Kulturwissenschaft in Tübingen unter Leitung von Prof. Bernhard Tschofen an der Neukonzeption der drei Räume gearbeitet, in denen der Pfarrer Gustav Schwab von 1837 bis 1841 lebte und arbeitete. Die Gestaltung stammt vom renommierten Stuttgarter Büro Ranger Design, das im Literaturland Baden-Württemberg bereits Wielands Gartenhaus und das Hebelhaus in Hausen im Wiesental ausgestattet hat.

Gustav-Schwab-Ausstellung im SchlossHandwerklich umgesetzt wurden ihre Ideen dann größtenteils in ehrenamtlicher Arbeit durch die Mitglieder des örtlichen Geschichts- und Altertumsvereins. In dieser Zusammenarbeit ist eine innovative Ausstellung zu ›Schwabs Schwaben‹ und ›Schwabs Hellas‹ – so die beiden Abteilungen – entstanden, die auf die multimediale Präsentation knapper und prägnanter Informationen setzt und Schwabs Texte durch Bezüge zur Gegenwart gerade auch jungen Besuchern nahebringen will. In einem Raum werden so Schwabs ›Wanderungen durch Schwaben‹ auf einer Wände und Boden bedeckenden Landkarte visuell erfahrbar, über einen Touchscreen kann man sich zudem zu den einzelnen Orten Textstellen aus Schwabs Werk anhören. Auch die Entstehungsgeschichte der ›Schönsten Sagen des klassischen Altertums‹ wird anschaulich aufbereitet: Die Studentinnen befragten Prominente zu ihrem Verhältnis zu Schwabs bekanntestem Werk und zeigen, dass die griechischen Sagen heute nach wie vor im alltäglichen Leben präsent sind – ob im Donald Duck-Heft oder im Computerspiel. 28 Folien mit Zitaten Schwabs aus seiner Gomaringer Zeit laden auf den Gehwegen der Innenstadt zum Besuch der Schwab-Ausstellung im Schloss ein.

Ausstellung zu Leben und Werk von Dietrich Schwanitz im ehemaligen Gasthaus »Zum Salmen« in Hartheim

Am 22. April 2012 wurde im ehemaligen Gasthaus »Zum Salmen« in Hartheim eine Ausstellung zu Leben und Werk von Dietrich Schwanitz eingeweiht, die die literarische und literaturwissenschaftliche Bedeutung des Bestsellerautors (›Der Campus‹; ›Bildung – Alles, was man wissen muss‹) und Shakespearespezialisten an seiner letzten Wirkungsstätte würdigt. Schwanitz hatte im »Salmen« ein Kulturzentrum einrichten wollen und den alten Theatersaal des Gasthauses dafür bereits mit einem monumentalen Wandfresko schmücken lassen, das zahlreiche Figuren aus Shakespeares Dramen versammelt und dem Engländer so einen sichtbaren Platz in der reichen literarischen Landschaft Baden-Württembergs gibt. Nach Schwanitz’ überraschendem Tod im Dezember 2004 konnte dank des überaus rührigen Vereins ›Zur Erhaltung und Nutzung des historischen Gasthauses und Schwanitzhauses Zum Salmen‹ das Gebäude saniert und ausgebaut werden. In einem zweiten Schritt wird die literarische Ausstellung 2014 ergänzt und erweitert.

Literaturkabinett im Geschichtshaus in Owen eröffnet

Literaturkabinett im Geschichtshaus OwenAnlässlich ihres 750-jährigen Bestehens eröffnete die Stadt Owen am 19. November 2011 in der historischen Beginenklause ein neues Geschichtshaus, das in sieben Räumen die Landschaft und Geschichte der Stadt präsentiert. Dabei lädt ein Literaturkabinett den Besucher dazu ein, sich vor allem akustisch an einer Hörstation davon zu unterrichten, wie die Region um die Teck immer wieder zu literarischem Schaffen inspirierte, so Friedrich Hölderlin oder Wilhelm Hauff. Zudem war Eduard Mörike von Dezember 1829 bis April 1831 in Owen als Pfarrvikar tätig und verfasste hier neben langen Passagen des ›Maler Nolten‹ auch zwölf Gedichte. Später widmete er der Landschaft das Gedicht ›Auf der Teck‹. Von 1872 an bis zu seinem Tod war Mörikes Studienfreund Wilhelm Zimmermann, der Verfasser der einflussreichen ›Allgemeinen Geschichte des großen Bauernkrieges‹, Pfarrer in Owen.

MörikeKabinett in Fellbach

Das MörikeKabinett im Stadtmuseum Fellbach, das am 1. Oktober 2011 eröffnet wurde, hat drei Kapitel. Das erste erzählt von Mörikes Aufenthalt in der Stadt. Hier kann der Besucher durch das Öffnen von Schiebefenstern erfahren, welche Umstände Mörike mit Schwester und Tochter nach Fellbach führten, womit sich die Bewohner des idyllisch am Ortsrand gelegenen Hauses beschäftigten und was sie dazu bewog, das weitläufige Anwesen bald wieder zu verlassen. Ausgehend von der „neuen Armethei“ der späten Jahre betritt man einen dunkel getönten Erinnerungsraum: „Mörike und die Frauen“ ist die Herzkammer der Ausstellung. Zahlreiche Originalexponate des Deutschen Literaturarchivs Marbach – darunter ein Ölgemälde von Margarethe und ein Selbstporträt von Luise Walther – werden durch Mörike-Zeichnungen und Gedichten zu einem reizvollen Beziehungsgeflecht verdichtet. Liebesgedichte Mörikes - von A wie „Agnes“ bis Z wie „Zuviel“- sind in einer Hörstation abrufbar. Dass Fellbach seit 1991 den Mörike-Preis vergibt, hat den Anspruch, Mörikestadt zu sein, begründet. Deshalb zeigt ein dritter Bereich mit moderner Anmutung die bisherigen Preisträger in originalen Porträts in Verbindung mit Gegenständen und Autografen, die sie dem Museum überlassen haben. Eine Hörstation bietet die Mörike-Reden der Preisträger. Monitore laden den Besucher zu vertiefender Beschäftigung ein.

 

Eröffnung der Dürrson-Gedenkstätte in Riedlingen

Dürrson-Gedenkstätte RiedlingenIn der Dürrson-Gedenkstätte im historischen Kapuzinerkloster Riedlingen kann man dem Leben und Werk Dürrsons in seiner überraschenden Vielfalt begegnen. Von den Anfängen seiner Bekanntschaft mit Hermann Hesse bis zum letzten handschriftlichen Notat kurz vor seinem Tod. Dazwischen liegt ein Werk, das Aphorismen, Gedichte, Essays, Kurzgeschichten und einen autobiografischen Roman umfasst, und das in mehrere Sprachen übersetzt wurde.

Dürrson selbst war dabei einer der wichtigsten Übersetzer aus dem Französischen. Das Typoskript seiner Übersetzung des „Livre“ von Mallarmé lässt den kongenialen Vermittler zwischen Sprachen ebenso erleben wie Briefe von René Char oder Henri Michaux.

Einzigartige historische Tondokumente zeigen Dürrson, der seine Laufbahn als Musiker begann, im Konzertauftritt mit dem Radiosinfonieorchester als vituosen Solisten auf der Chromonika. Seltene Filmaufnahmen lassen darüber hinaus unmittelbar etwas spürbar werden von der literarischen Sensibilität und dem gesellschaftlichen Engagement dieses Autors.

Ein besonderer Reiz der Ausstellung, die ihren angemessenen Platz im Kapuzinerkloster an einem eindrucksvollen Ort gefunden hat, liegt in Originalwerken von Max Ernst, Erich Heckel, HAP Grieshaber und Klaus Staeck, mit denen Dürrson eine künstlerische Zusammenarbeit und Freundschaft verband.

Die Ausstellung macht mit ihrer Gestaltung, die zum Entdecken einlädt, nachdrücklich erlebbar, was Dürrson in einem Aphorismus einmal so formuliert hat: „Literatur kann manchmal mehr Leben vermitteln als dieses selbst“.

 

Jünger-Haus Wilflingen saniert wiedereröffnet

In Wilflingen wurde am 29. März 2011 das Jünger-Haus neu eröffnet. In der zum Schloss der Schenken von Stauffenberg gehörenden Oberförsterei, hatte Ernst Jünger fast ein halbes Jahrhundert gelebt und den größten Teil seines literarischen und philosophischen Werkes verfasst. Das als Literaturmuseum eingerichtete Haus zeigt die Wohn- und Arbeitsräume des Schriftstellers samt Bibliothek, Käfersammlung sowie Zier- und Nutzgarten im Zustand von Jüngers Todesjahr 1998. Nach einer umfassenden Außen- und Innensanierung, die 2009 die Räumung des Hauses erforderte, wurde die Jüngersche Lebenswelt sorgfältig wiederhergestellt. Die 1999 eingerichtete Ausstellung gibt einen Überblick über Leben und Werk Ernst Jüngers und enthält Vitrinen mit Fotos, Manuskripten, Erstausgaben, Ehrungen und persönlichen Gegenständen des Autors. Einer der Räume ist Jüngers Bruder, dem Lyriker, Erzähler und Essayisten Friedrich Georg Jünger gewidmet. Die Ausstellung wird bis 2013 zu sehen sein und dann durch eine erweiterte Präsentation ersetzt.

 

 

Eröffnung der Neske-Bibliothek in Pfullingen

Die "Neske-Bibliothek", eine literarische Ausstellung im ehemaligen Wohn- und Verlagshaus der Familie Neske, wird am 19. Juni 2010 mit einem Kulturfest im Pfullinger Klostergarten eingeweiht.

Zu sehen sind in der ehemaligen Privatbibliothek der Verlegerfamilie die Bücher und Schallplatten, die im Neske-Verlag von 1951 bis 1994 erschienen sind, eine Ausstellung präsentiert die Geschichte des Verlags und die Arbeit des Verlegens.

Viele der großen Literaten und Philosophen dieser Zeit gingen bei Brigitte und Günther Neske ein und aus, die Klause unter dem Dach des Hauses wurde für sie zum Arbeitszimmer, der Klostergarten zur literarischen Inspiration, die Bibliothek ein beliebter Ort von Diskussionen und Begegnungen der mit dem Verlegerpaar befreundeten Autoren - darunter Ernst Bloch, Hans Mayer, Martin Heidegger, Ernst Jünger - und Politiker.

 

Wiedereröffnung des Hagnauer Museums

hafasdNach einer über zweijährigen Restaurierung wurde das Hagnauer Museum am 11. Juni 2010 wieder eröffnet. Fast die Hälfte der Dauerausstellungsfläche ist nun dem Erzähler, Pfarrer und Politiker Heinrich Hansjakob gewidmet, der in Hagnau, wo er von 1869 bis 1884 lebte, die erste badische Winzergenossenschaft gegründet hat. Der Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf Hansjakobs Erzähltext ›Schneeballen vom Bodensee‹, aus dem heraus sich die Fäden zu den verschiedenen Aspekten seines Hagnauer Wirkens entspinnen. Damit hat der einstige Bestsellerautor nun neben den Museen in Haslach im Kinzigtal und in Freiburg einen dritten Ort im Literaturland Baden-Württemberg.

 

 

Wiedereröffnung des Hebelhauses in Hausen

Hebelhaus HausenHebelhaus HausenDas Hebelhaus in Hausen wurde nach Neukonzeption und Umgestaltung am 9. Mai 2010, dem Vorabend des großen Festes zum 250. Geburtstag von Johann Peter Hebel, als Literaturmuseum neu eröffnet. Die Räume, in denen der durch seine Kalendergeschichten berühmt gewordene Dichter, Theologe und Pädagoge seine Kindheit verbracht hat, präsentieren sich nun mit einer modernen multimedialen Ausstellung mitsamt Originalbriefen, persönlichen Gegenständen und wertvollen Erstausgaben. Ein Schwerpunkt liegt, neben den Brüchen in Hebels Biografie, auf den ›Allemannischen Gedichten‹, die er später von Karlsruhe aus in die Hausener Gegend adressiert hat. Ebenfalls gezeigt wird die immense Wirkung, die Hebel bis in die Weltliteratur hinein gehabt hat und die noch heute weit über die Literatur hinaus im alemannischen Sprachraum lebendig ist. Bis heute steht das Haus zudem im Zentrum des alljährlich gefeierten Hebelfestes, auf dem mit dem Hebelpreis einer der wichtigsten deutschen Literaturpreise verliehen wird.

Wiedereröffnung des Schiller-Nationalmuseums in Marbach am Neckar

Am 10. November 2009, an Friedrich Schillers 250. Geburtstag, wurde das Schiller-Nationalmuseum in Marbach am Neckar als Höhepunkt des Schillerjahres feierlich wiedereröffnet. In einem Festakt in der Stadthalle Marbach sprachen Bundespräsident Horst Köhler, der Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg, Günther Oettinger, der Präsident der Deutschen Schillergesellschaft, Manfred Erhardt, und der Autor und Publizist Rüdiger Safranski.

Die Eröffnung bildet den Auftakt für eine neue Zeit im Schiller-Nationalmuseum. Die Exponate des 18. und 19. Jahrhunderts, der Urgrund der Marbacher Sammlungen, werden in zwei Abteilungen (der eine Seitenflügel des Museums ist Friedrich Schiller gewidmet, der andere Seitenflügel der schwäbischen Dichterschule) in den restaurierten und klimatisierten Räumen präsentiert, die von David Chipperfield Architects nach dem historischen Bestand von 1903 neu interpretiert wurden. Die neue Dauerausstellung zeigt in neun Räumen auf 450 Quadratmetern mit über 700 Exponaten und einem Schwerpunkt auf Friedrich Schiller die materialreichen Auswirkungen einer deutschen, vielfach auch spezifisch schwäbischen Literaturgeschichte.

Die Architektur des 1934 umgebauten und erweiterten pantheonartigen Baus, der an ein Lust- und Jagdschlösschen der Schiller-Zeit erinnert, lässt die wechselvolle Geschichte der Dichterverehrung ebenso anschaulich werden wie die Dauerausstellung, die mit ihren Raumbildern Einblick in die verschiedenen Möglichkeiten gibt, die Spuren eines Literaturarchivs zu lesen und die Dokumente mit ihrer Deutung in ein Verhältnis zu setzen: figürlich, als Abdruck eines Körpers, chronologisch, als Überbleibsel eines Lebenslaufs, situativ, als Teil der Dichterwerkstatt, poetisch, als unmittelbare Türen zu einer nur imaginär vorhanden Welt, historisch, als Quellen, die auch das, was uns bekannt und nah erscheint, im Horizont einer fremden Zeit verankern. Der im neuen Glanz erstrahlende Schillersaal mit geöffneter Terrasse wird Ort sein für vielfältige literarische Veranstaltungen. Außerdem lädt ein neues Museumscafé zum Verweilen, Nachsinnen und zum Gespräch ein.

Neue Wieland-Ausstellung am 12. September in Biberach eröffnet

Am Samstag, den 12. September 2009 wurde um 18 Uhr im Biberacher Wieland-Park die neue Dauerausstellung ›Christoph Martin Wieland – Dichter und Kanzleiverwalter in Biberach (1760-1769)‹ eröffnet. Die nach neusten museumspädagogischen Erkenntnissen gestaltete Präsentation in dem von Wieland einst bewohnten Gartenhaus zeigt, wie der große Aufklärer in seinen insgesamt neun Jahren in der Stadt an der Riss als Senator und Kanzleiverwalter ungeachtet seiner vielfältigen beruflichen Verpflichtungen sowie als Direktor der evangelischen Komödiantengesellschaft eine ungeheure dichterische Produktivität entfaltet. Wieland übertrug hier 22 Shakespeare-Stücke ins Deutsche und verfasste einige seiner wichtigsten Werke, darunter die ›Geschichte des Agathon‹ und ›Die Abentheuer des Don Silvio von Rosalva‹. In Biberach wandelte sich Wieland von einem religiösen Schwärmer zu einem Autor, der in seinen Texten unverhohlen einer sinnlich-frivolen Lebensfreude huldigte. Neben der zeitgenössischen deutschen Literatur (Anakreontik) bildete er seinen Geschmack an der Literatur der griechischen und römischen Antike sowie an den Werken der führenden Autoren Frankreichs, Spaniens, Italiens und Englands.
Anlässlich der Feierlichkeiten zur Ausstellungseröffnung wurde an Oberbürgermeister Thomas Fettback zudem die Stiftungsurkunde der neu gegründeten ›Christoph Martin Wieland-Stiftung Biberach‹ überreicht. Damit kommt ein mehrere Jahre dauernder Selbstverständigungsprozess über den Umgang mit Wielands Erbe zu einem glücklichen Ende. Gegründet im Jahr 1905 durch den Biberacher Kunst- und Altertumsverein wurde das ›Wieland-Museum‹ 1907 als Gedenkstätte für den Dichter im Gartenhaus eröffnet. 1972 ging das ›Wieland-Museum‹ in das Eigentum der Stadt über. Im Jahre 2009 hat der Biberacher Gemeinderat einstimmig beschlossen, das ›Wieland-Museum‹ in eine Stiftung zu überführen.
Die neue Stiftung soll Maßnahmen fördern, die das Andenken an Leben und Werk Christoph Martin Wielands und Sophie La Roches aufrechterhalten. Zum anderen setzt sie sich zum Ziel, bestmögliche Voraussetzungen für die Aufbewahrung derjenigen Museums- und Archivbestände zu ermöglichen, die im Zusammenhang mit der Biberacher Theatergeschichte, insbesondere der bürgerlichen Komödiantengesellschaften und mit der Person des Komponisten Justin Heinrich Knecht stehen. Zum Arbeitsfeld der Stiftung zählen neben einer professionellen Ausrichtung von Museum und Archiv als Wieland-Kompetenz- und Servicezentrum zwischen Biberach, Weimar, Oßmannstedt und Bern die Fortsetzung der Rekonstruktion von Wielands Bibliothek, die Fortführung der ›Wieland-Studien‹, die öffentliche Aus- und Darstellung von Leben und Werk Wielands, die Initiierung, Unterstützung und Durchführung von wissenschaftlichen und kulturellen Veranstaltungen, die Unterstützung von Forschungsvorhaben, die Förderung von Maßnahmen zum Erwerb von Beständen für das Wieland-Archiv sowie die Kooperation mit Einrichtungen und Institutionen, die ähnliche Ziele verfolgen. Das Wieland-Archiv in seiner heutigen Gestalt beherbergt eine Bibliothek von über 15.000 Büchern, Zeitschriften und Sonderdrucken sowie über 1000 Handschriften, davon mehr als 350 eigenhändige Briefe des Dichters.

Neue literarische Dauerausstellung am Bodensee

Fritz MühlenwegIn Allensbach werden derzeit die Räume für eine literarische Ausstellung vorbereitet, die ab dem Frühjahr 2010 das Leben und Werk des Erzählers, Malers und Asienreisenden Fritz Mühlenweg (1898–1961) präsentieren soll. Hier am westlichen Teil des Bodensees hat Mühlenweg von 1935 bis zu seinem Tod die ‚ruhigeren’ Jahren seines Lebens verbracht.
Geboren in Konstanz als Sohn einer aufstrebenden Kaufmannsfamilie, war ihm ein Leben im florierenden Drogeriehandel der Eltern vorgezeichnet. Bis zu seinem 28. Lebensjahr blieb er auf diesem Weg, kehrte Konstanz und dem Händlerleben aber nach dem Tod seines Vater den Rücken. Er nahm eine Stelle bei der Lufthansa an, die eine Fluglinie Berlin-Peking plante und ab 1927 die letzte große Ostasien-Expedition Sven Hedins mitfinanzierte. Bis 1932 war Mühlenweg auf drei Reisen und Expeditionen als Buchhalter, Karawanenführer und Gehilfe des Wetterforschers in der Mongolei und begann dort zu malen. Zurückgekehrt lernte er während eines kurzen Kunst-Studium an der Wiener Akademie die Malerin Elisabeth Kopriwa kennen, heiratete sie und zog mit ihr 1935 an den Untersee nach Allensbach.
Im Mittelpunkt der Ausstellung wird jedoch das erzählerische Werk Mühlenwegs stehen, das weit mehr als nur Literaturgeschichte ist. Schon in seinen Briefen aus der Mongolei zeigt sich Mühlenwegs genauer Blick auf das Fremde. Von 1948 an schrieb er dann an dem Roman, in dem er die andere Zeitlichkeit und die andere Ethik, die er in Asien kennengelernt hatte, gegen die moderne europäische Zivilisation setzte. Das Buch erschien 1950 unter dem Titel ›In geheimer Mission durch die Wüste Gobi‹ und wurde ein Besteller. Im internationalen Vergleich verdient sein in mehrere Sprachen übersetztes Hauptwerk die Nähe zu All-Age-Büchern von Twain, Tolkien und Saint-Exupéry, von A. A. Milnes ›Winnieh-the-Pooh‹ und Rudyard Kiplings ›Kim‹. Die Ausstellung wird auch zeigen, dass und wie Mühlenwegs Versuche scheiterten, der Festlegung auf den Jugendbuchautor zu entkommen. Seit 1991 werden Mühlenwegs Texte vom Libelle Verlag, dessen Leiter Ekkehard Faude die Ausstellung inhaltlich betreut, neu und erfolgreich herausgegeben. – Das Mühlenweg-Museum wird u.a. über den im Frühjahr 2009 eröffneten Literarischen Radweg 04 ins ›Literaturland Baden-Württemberg‹ eingebunden.
Die literarischen Orte im deutschen Südwesten

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