Literaturland Baden-Württemberg

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Ebersbach an der Fils

Stadtmuseum Alte Post

Das Stadtmuseum Alte Post in der Martinstraße 10

Das Museum der Stadt Ebersbach wurde 1996 eröffnet.
Neben der Hausgeschichte und der allgemeinen Stadtgeschichte widmet sich das Museum noch speziell dem Wandel des ehemaligen Handwerkerdorfes zu einem Industriestandort sowie der Entstehung und Entwicklung der örtlichen Vereine und Parteien in der Zeit vor 1933. Vier weitere Bereiche informieren über einzelne Persönlichkeiten. Eine dieser Persönlichkeiten ist der gebürtige Ebersbacher Johannes Woelffle (1807-1893), der zu den bedeutendsten Lithographen seiner Zeit gehört.
Die anderen drei Persönlichkeiten haben allesamt mit deutscher Literatur zu tun. Den ihnen gewidmeten Ausstellungsbereichen wegen zählt das Ebersbacher Stadtmuseum mit zu den literarischen Gedenkstätten und Museen in Baden-Württemberg. Johann Friedrich Schwahn (1729-1760), als Sohn des Ebersbacher Sonnenwirts für gewöhnlich einfach »d'r Sonnenwirtle« genannt, gehört mit zu den bekanntesten Räubern im südwestdeutschen Raum. Er schreckte zum Schluß auch vor Mord nicht zurück und endete in Vaihingen an der Enz auf dem Rad. Durch Schillers Erzählung »Der Verbrecher aus verlorener Ehre« (1787) und den Roman »Der Sonnenwirt« (1855) von Hermann Kurz wurde er zu einer bis heute unvergessenen literarischen Figur.
Der Kunstschriftsteller Fritz Alexander Kauffmann (1891-1945) wurde in Denkendorf als Sohn eines Essig- und Senffabrikanten geboren. In Ebersbach, dem Sitz der Firma Kauffmann seit 1905, hat er die meiste Zeit seines Lebens verbracht, und hier sind auch fast alle seine Bücher entstanden. Von Beruf Pädagoge war er zuletzt als Professor für Kunst- und Zeichenunterricht an der Pädagogischen Akademie in Halle an der Saale beschäftigt, bis ihn die Nationalsozialisten nach ihrer Machtübernahme 1933 aus dem Amt entfernten. Alle Bemühungen, eine neue Anstellung zu finden, scheiterten, und so hatte er während des Dritten Reichs viel Zeit für die Schriftstellerei. Als sein Hauptwerk gelten heute seine posthum veröffentlichten Kindheitserinnerungen, die vor über fünfzig Jahren in einer kleinen Dachkammer über der von seinem Bruder übernommenen elterlichen Sauerkonservenfabrik, hinter Gurkenfässern und Senftöpfen versteckt, entstanden: »Leonhard. Chronik einer Kindheit«. Fritz Alexander Kauffmann starb unmittelbar nach Kriegsende bei einem Autounfall.
In den Jahren von 1934 bis 1956 prägte der Theologe Hermann Diem (1900-1975) als Pfarrer das Leben der Gemeinde Ebersbach maßgeblich mit. Seine entschiedene Gegnerschaft zum Nationalsozialismus brachte ihn im Kirchenkampf immer wieder in Konflikt mit der behutsamer agierenden Landeskirche, die ihn 1938 wegen Verweigerung eines Treuegelöbnisses an Eidesstatt auf Hitler sogar vorübergehend vom Dienst suspendierte. Als Sprecher der »Kirchlich-theologischen Sozietät in Württemberg« gehörte er zu den bedeutendsten Vertretern der Bekennenden Kirche im Dritten Reich. Nach dem Krieg setzte er sich in Wort und Schrift mit Nachdruck für die Reformierung und Demokratisierung der Kirche ein. 1956 verließ er Ebersbach, um fortan an der Universität Tübingen als Theologieprofessor zu wirken.



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