Literaturland Baden-Württemberg

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Hartheim

Gedenkstätte Dietrich Schwanitz im Historischen Gasthaus „Zum Salmen“

Zum Salmen in Hartheim am Rhein

Dietrich Schwanitz, geboren am 23. April 1940 als dritter Sohn eines Lehrerehepaars in Werne an der Lippe und gestorben am 17. Dezember 2004 in Hartheim am Rhein verbrachte seine Kindheit zunächst im Bergarbeiterdorf Rünthe.
Im Rahmen der Kinderlandverschickung nach dem 2. Weltkrieg kam er auf Vermittlung einer Züricher Freundin der Mutter 1947 bis 1950 zu mennonitischen Bauern in den Schweizer Jura.
Ab 1950 besuchte er die Realschule in Kamen, Kreis Unna/Westfalen und wechselte 1952 auf das dortige Neusprachliche Gymnasium. „Latein lernen ist besser als Kühe hüten“ fasste er später seine Erfahrungen zusammen. Danach studierte Schwanitz Geschichte, Anglistik und Philosophie in Freiburg, ein Semester in Münster und war zu längeren Aufenthalten in London, Philadelphia und Massachusetts. Studienschwerpunkt war William Shakespeare.
„Liest oder sieht man Shakespeare, hat man das Gefühl, Gott am achten Schöpfungstage zuzuschauen.“ (D.S.)
1969 promovierte er in Anglistik an der Universität Freiburg.
Bis zu Habilitation 1975 wissenschaftlicher Assistent am Englischen Seminar Freiburg.
1978 bis 1997 Professor für Englische Literatur und Kultur an der Universität Hamburg, wo er 1980 nach anglo-amerikanischem Vorbild einen Workshop für Theater und Creative Writing ins Leben rief, aus dem u. a. die Theatergruppe „University Players“ hervorging.
Aufgrund einer unheilbaren Krankheit 1997 vorzeitige Emeritierung.
2001 kaufte Dietrich Schwanitz das ehemalige Dorfgasthaus „Zum Salmen“ in Hartheim am Rhein bei Freiburg. Hier wollte er ein „Haus für Kreative“ schaffen, Kurse in Creative Writing ermöglichen, Theater spielen (lassen), Raum für Lesungen, Ausstellungen und Konzerte schaffen. „Dies ist das Haus, das ich immer gesucht und bisher nie gefunden habe. Ich muss es haben.“ (D.S. 2001)
Er starb überraschend am 17. Dezember 2004 im „Salmen“.
Hinterlassen hat er getreu seiner Absicht: „Ich will Bilder haben an den Wänden.“ vor allem die von Andrea Berthel ausgemalte Bühne, deren Mittelpunkt eine Shakespeare-Festgesellschaft nach einem Vorbild von Paolo Veronese ist: Flankiert von Romeo und Julia sowie der Elfenkönigin Titania sitzen und stehen u.a. Othello, Shylock, Fallstaff, König Lear, Hamlet, die Dark Lady der Sonette und in der Mitte Shakespeare und Königin Elizabeth I. In der linken Bildhälfte sind auch Dietrich Schwanitz und die Malerin zu entdecken.
Eigentümer des Anwesens „Zum Salmen“ ist seit 2005 die Gemeinde Hartheim am Rhein. Getragen wird das Kultur- und Gemeinschaftshaus vom „Verein zur Erhaltung und Nutzung des Historischen Gasthauses – Schwanitz-Haus „Zum Salmen“ in Hartheim am Rhein e. V.“
Die Gedenkstätte Dietrich Schwanitz wurde 2011 in unabgeschlossener Form eröffnet und wird in den nächsten beiden Jahren mit der Arbeitsstelle für Literarische Museen, Archive und Gedenkstätten in Baden-Württemberg und dem Deutschen Literaturarchiv Marbach ergänzt und ausgebaut.

Veröffentlichungen von Dietrich Schwanitz:
- Englische Kulturgeschichte. Von 1500 bis 1914. 2 Bände. 1995
- Der Campus. Roman. Frankfurt a. M.: Eichborn 1995.
- Das Shylock-Syndrom oder Dramaturgie der Barbarei. Frankfurt a.M.: Eichborn 1997.
- Der Zirkel. Roman. Frankfurt a.M.: Eichborn 1998.
- Bildung. Alles, was man wissen muss. Frankfurt a. M.: Eichborn 1999.
auch als Hörbücher in Einzel- und Gesamtausgaben.
- Illustrierte Neuausgabe: Bildung. Alles, was man wissen muss. Frankfurt a. M. 2010.
- Schweiz. Liebesprobe jenseits der Baumgrenze. dtv-Taschenbuch 2001.
- Die Geschichte Europas. Frankfurt a. M. Eichborn 2001.
Neuausgabe: München: Goldmann 2003.
- Männer. Eine Spezies wird besichtigt. Frankfurt a. M.: 2001
- Shakespeares Hamlet und alles, was ihn für uns zum kulturellen Gedächtnis macht. Frankfurt a. M.: Eichborn 2006. Auch als Hörbuch.
- Hörbuch: Musik. Alles, was man hören muss. Sonderausgabe. 10
CDs. Frankfurt a. M.: Eichborn 2006.



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