Literaturland Baden-Württemberg

Literaturland Baden-WürttembergLiteraturland Baden-Württemberg

Pforzheim

Museum Johannes Reuchlin

Das Museum Johannes Reuchlin eröffnet Einblicke in Werk und Wirkung eines berühmten europäischen Humanisten der Renaissance, der sich früh für Menschenrechte und Toleranz einsetzte.
Johannes Reuchlin, geboren 1455 in Pforzheim, gestorben 1522 in Stuttgart, kämpfte als Rechtsgelehrter, Staatsmann und Hebräisch-Kenner gegen die Verbrennung der jüdischen Literatur. Mit seinem Buch „Augenspiegel“ sorgte er 1511 für Furore auf der Frankfurter Buchmesse: „Viel Schlimmes könnte daraus entstehen, wenn wir ihre Bücher verbrennen würden.“
Reuchlin warb für den Dialog und Abbau von Vorurteilen, trat an die Seite der bedrohten Minderheit der Juden am Oberrhein, legte die Grundlagen für den humanistischen Hebräisch- und Griechisch-Unterricht an theologischen Fakultäten sowie für die Bibelübersetzung ins Deutsche. Mitstreiter wie Erasmus von Rotterdam rühmten ihn als „Schutzherren der Freiheit“.

Das Museum lädt dazu ein, einen Literaten und Sohn des Landes zu entdecken, dessen Botschaft des Dialogs heute aktueller denn je erscheint. Die multimediale zweisprachige Ausstellung, 2008 in einem modernen Anbau am Stiftschor der Schloßkirche eröffnet, vereint Reuchlins eigene Schriften (Kunst der Kabbala, Augenspiegel, Grundlagen des Hebräischen) mit Teilen seiner Bibliothek in Form von Faksimiles sowie Dokumenten aus seinem Leben und Nachleben. Dargestellt werden auch die engen Beziehungen Reuchlins zu seinem Ziehsohn Philipp Melanchthon aus Bretten, der an der Seite Martin Luthers als Kirchenreformator wirkte.
Als Teil des Museums zugänglich ist der Innenraum des Stiftchors, seit der Reformationszeit Grablege der badischen Markgrafen, in der Nachkriegszeit ausgeschmückt mit Farbglasfenstern des Künstlers Charles Crodel.



Ansichten: